Die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie 2026 läuft. Die bisherigen Verhandlungen am Donnerstag in Baden-Württemberg sowie am Freitag in Niedersachsen, Berlin-Brandenburg, Mitte und Küste brachten keine entscheidende Bewegung.
Dabei legte die IG Metall in den Verhandlung einen Lösungsvorschlag zur Sicherung der Zukunft der Industrie vor: zeitlich befristete tarifliche Regelungen in Verbindung mit Investitionen in Zukunftsprodukte und verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung. Abweichungen von tariflichen Standards sollen nur in klar begrenzten Fällen möglich sein und an überprüfbare Zusagen der Unternehmen geknüpft werden. Ein pauschaler Verzicht der Beschäftigten allein zur Kostensenkung ist für die IG Metall keine Lösung.
Die Arbeitgeber jedoch beharrten auf ihrem Minus-Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde: Nur 1,3 Prozent mehr, aber erst ab Juli 2028 – und zudem weiterer Verzicht der Beschäftigten. Sicherheit für Zukunft und Arbeitsplätze wollten sie nicht zusagen.
Spätestens bei den Verhandlungen am Montag (Bayern, Sachsen, Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen) erwartet die IG Metall Antworten von den Arbeitgebern.
Währenddessen macht die IG Metall weiter Druck mit Warnstreiks. Seit Auslaufen der Friedenspflicht am 1. November um 0 Uhr haben bereits 400 000 Beschäftigte an 3800 Warnstreik-Aktionen teilgenommen. Aktuelle Meldungen, Fotos und Videos findet Ihr in unserem Tarif-Ticker.
Arbeitgeber bieten nur 1,3 Prozent mehr – ab Juli 2028
Nur 1,3 Prozent Entgelterhöhung bieten die Arbeitgeber an – und das erst im Juli 2028, nach 20 Monaten Wartezeit für die Beschäftigten. Bei einer Laufzeit von 26 Monaten entspricht das lediglich 0,6 Prozent mehr pro Jahr – bei einer Inflation von bis zu 3 Prozent.
Nur in Betrieben, in denen es gut läuft, wollen die Arbeitgeber den Beschäftigte im Juli 2027 eine Einmalzahlung im dreistelligen Eurobereich gewähren
Die Arbeitgeber stellen ihr Angebot sogar ernsthaft noch als „fair“ dar – und drohen auch noch mit weiterem Arbeitsplatz-Abbau. Zugleich jedoch beschweren sie sich über die Warnstreiks der IG Metall.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen sind hoch engagiert, sie kämpfen um die Zukunft ihrer Familien und Arbeitsplätze“, erklärt IG Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski. „Sie erwarten spürbare Kaufkraft sowie handfeste Zusagen und Konzepte der Arbeitgeber: zur Sicherung industrieller Wertschöpfung und Investitionen am Standort. Drohkulissen mit weiterem Stellenabbau helfen nicht weiter. Unser Angebot für faire und flexible tarifliche Regelungen liegt auf dem Tisch – jetzt sind die Arbeitgeber am Zug.“
Das Angebot der Arbeitgeber im Detail
Was die Arbeitgeber bieten:
- Einmalzahlung: 1 Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttos, automatisch „differenzierbar“ nach wirtschaftlicher Lage des Betriebs, also nicht für alle sicher, im Juli 2027.
- Erhöhung der Monatsentgelte: plus 1,3 Prozent ab Juli 2028.
- Laufzeit: 26 Monate bis Ende Dezember 2028.
Was die Arbeitgeber verlangen:
- Mehr Differenzierung: Die automatische „Differenzierung“ soll ausgeweitet und auf Dauer gestellt werden. „Differenzierung“ bedeutet zum Beispiel dass ein Betrieb bei Problemen Zahlungen verschieben oder aussetzen kann, wie jetzt bereits beim Transformationsgeld.
- Krankenstände: Eine tarifliche Verpflichtung zu Gesprächen über Krankenstände und Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten.
- Künstliche Intelligenz: Eine tarifliche Verpflichtung zu Gesprächen über den Einsatz von KI.
Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld, für eine Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie Arbeitsplätze und Standorte sichern. In gut laufenden Unternehmen soll es eine tarifliche Gewinnbeteiligung geben. Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und Auszubildende sollen eine soziale Komponente erhalten.
Wirtschaftliche Lage unterschiedlich – Trend positiv
In den bisherigen Verhandlungen stellten die Arbeitgeber die Lage der Metall- und Elektroindustrie düster dar. Doch tatsächlich haben die Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Und auch Umfragen der IG Metall unter Betriebsräten zeigen einen Aufwärtstrend: 62 Prozent der Betriebe haben wieder eine gute bis sehr gute Auslastung.
Allerdings ist die Lage sehr unterschiedlich. Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, boomen andere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik. Und die Mehrheit der Betriebsräte schätzt die Aussichten in den kommenden sechs Monaten als gut oder sogar sehr gut ein, selbst in der Autoindustrie.
Gleichzeitig belasten die hohen Preise die Beschäftigten erheblich. Die IG Metall will die Kaufkraft sichern – und damit auch die Wirtschaft stabilisieren: Der private Konsum trägt über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts.
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