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Gut gemacht: Zukunftstarifvertrag bei Musashi Solidarisch erkämpft: Zukunft bei Zulieferer Musashi

20.000 wollte die Geschäftsführung jedem Beschäftigten wegnehmen - alle Sonderzahlungen, auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld und T-ZUG - und drohte mit Insolvenz. Doch Beschäftigte und Betriebsräte rückten zusammen, stellten Gegenforderungen und erkämpften einen Zukunfts- und Sozialtarifvertrag.

25. April 2022: 24-Stunden-Warnstreik an allen Standorten. 1000 Beschäftigte kommen zur zentralen Streikversammlung und Demo in Leinefelde in Thüringen. Erste Bandabrisse beim Kunden Volvo.

Sie drohten mit Insolvenz und legten den Beschäftigten eine »Giftliste« mit Forderungen vor: Verzicht auf alle Sonderzahlungen, auch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Verschiebung von Tariferhöhungen, Abgruppierungen. Im Schnitt wollte die Geschäftsführung jedem der bundesweit 2000 Beschäftigten in den nächsten drei Jahren rund 20† ‰000 Euro wegnehmen.

Zusagen für die Zukunft wollte das Management dafür nicht machen. Die Transformation, die Umstellung auf Elektroautos, hatte Musashi verschlafen. Pläne für die Zukunft? Wie auch, wenn die Werkleiter alle zwei, drei Jahre wechseln?!

Das war die Lage bei Musashi im Februar.
 

Standorte gesichert, Mitbestimmung ausgeweitet

Anfang Mai sieht es ganz anders aus. Alle sechs deutschen Standorte sind bis 2030 gesichert: Bad Sobernheim, Bockenau, Grolsheim, Hannoversch Münden, Leinefelde und Lüchow.

Ja, sie verzichten auch – aber weit weniger als befürchtet: auf das T-ZUG B bis 2030 und auf das T-Geld bis 2027. Zudem werden Tariferhöhungen nach hinten verschoben.

Dafür sind die IG Metall-Mitglieder bis 2026 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt – und die Mitbestimmung bei Musashi ist erweitert: Sie gestalten ihre Zukunft in Lenkungsausschüssen mit, reden mit bei Zielbildern und Investitionen.

Sie haben zusammengehalten und sich nicht wie früher spalten lassen. Auch der Standort Leinefelde / Thüringen wird in den Zukunftstarifvertrag integriert, sowie eine Angleichung an den Westen – von 38 auf 35 Stunden – vereinbart.

Das haben die Beschäftigten des Autozulieferers Musashi gemeinsam mit der IG Metall erkämpft, in harten Verhandlungen, gemeinsamen Aktionen und Warnstreiks. Die Bänder bei Kunden wie VW, Daimler Truck und Volvo standen wegen ausbleibender Lieferungen bereits vor dem Stopp. Doch dann lenkte die Geschäftsführung kurz vor der Urabstimmung über unbefristete Streiks endlich ein und unterschrieb einen Zukunfts- und Sozialtarifvertrag mit der IG Metall.

Die IG Metall-Mitglieder waren im Tarifkonflikt eng beteiligt, diskutierten mit und stimmten ab – auch über mögliche Zugeständnisse.

97,96 Prozent stimmen am Ende für die Annahme des Verhandlungsergebnisses.

Jetzt geht es an die Umsetzung.

Ausführliche Story, Bildergalerie und Video auf igmetall.de.



Zukunft durch Widerstand. Kampf um Zukunft beim Autozulieferer Musashi

Ausgangslage, Chronologie, Methoden, Interviews, Eckpunkte des Zukunfts- und Sozialtarifvertrags bei Musashi. Broschüre, 59 Seiten.

Musashi Tarifnachrichten Nr.1 / 2022

Musashi Tarifnachrichten Nr.2 / 2022

Musashi Tarifnachrichten Nr.3 / 2022

Musashi Tarifnachrichten Nr.4 / 2022

Musashi Tarifnachrichten Nr.5 / 2022

Tarifnachrichten Musashi: Mitgliedervotum nimmt Ergebnis an - 97,96 Prozent stimmen mit JA

Eckpunkte Transformations-, Zukunfts- und Sozialtarifvertrag bei Musashi


Zukunft und Schutz

• Garantien für die Standorte bis 2030 mit tariflich garantierten Mindestpersonalbemessungen und Zielbildern mit Investitionen für den Umbau aller Werke

• Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen nur für IG Metall-Mitglieder bis zum 31.12.2025

• Garantie der Ausbildung und unbefristete Übernahme für IG Metall-Mitglieder nach der Ausbildung

Zukunft und Sicherheit

• Soziales Auffangnetz durch Sozialtarifvertrag bis Ende 2030

• Überdurchschnittliche tarifliche Altersteilzeitregelung: Tarifprogramm „Gute Arbeit - Gut in Rente“

• TransferPLUS: Transfergesellschaft plus tarifliche Mindestabfindungen von 1,5 Bruttomonatsentgelten pro Beschäftigungsjahr

Zukunft durch offensive Veränderung und Gestaltung der Transformation

• Die Belegschaft kann sich über die Steuerungs- und Lenkungskreise für eine faire Transformation einbringen.

Zukunft nur mit Gleichbehandlung

• Einbeziehung auch der Musashi Europe GmbH und der HAM Holding in den Flächentarif

• IG Metall-Bonus nur für Mitglieder (Härtefallfonds) : Topf von 3,2 Millionen Euro, der dieses Jahr ausgeschüttet wird (u. a. Bezahlung aller Warnstreikstunden). Über die Verteilung entscheidet die zentrale IG Metall-Tarifkommission. Ausgezahlt wird nur an Mitglieder der IG Metall.

• Die roten Linien wurden verteidigt, der „Giftliste“ die Zähne gezogen und die Lohnsenkung auf ein Mindestmaß reduziert: Verzicht auf T-ZUG B bis 2030 und auf das Transformationsgeld (T-Geld) bis 2027. Tariferhöhung 2022 wird um 12 Monate verschoben, Tariferhöhungen 2023 und 2024 um 6 Monate.

Es gibt die Chance, diese Beiträge durch zukünftige Gewinnbeteiligung zurückzubekommen.

Ausweitung der Mitbestimmung

• Mitgliederversammlungen während der Arbeitszeit.

• Bildung von Lenkungsausschüssen mit der Geschäftsführung, Mitgliedern des Betriebsrats und der IG Metall.

• Vereinbarung von Zielbildern mit Investionen für alle Standorte.

• örtliche Tarifkommissionsmitglieder stehen als Auskunftspersonen für den Betriebsrat bereit.


Nähere Informationen über den Transformations-, Zukunfts- und Sozial-TV über die Tarifregister bei den Arbeitsministerien der Länder und es Bundes oder über die IG Metall-Bezirksleitung Mitte. Kontakt: uwe.zabel@igmetall.de

Musashi Works Council members on their joint struggle and the future
Portrait von Jürgen Gebhardt

Jürgen Gebhard, Bad Sobernheim, Chair of the Group Works Council

The employers underestimated us. When we refused to give them the vacation pay and Christmas bonus at the end of 2020, they simply walked away. “This concludes the negotiations.” Next came the employers’ association’s blacklist in early 2022. But with IG Metall backing us, we were finally on equal footing.
Portrait von Simone Krämer

Simone Krämer, Works Council Chairwoman for Bad Sobernheim, Bockenau, and Grolsheim

This crisis has brought us closer together—among the workforce, on the bargaining committee, and on the works council—right from the very first actions: Everyone had to pitch in and step out of their comfort zone. We all pulled together. We will not let anyone take this strength away from us—not the workforce, not our works council, not the bargaining committee, and not the IG Metall members here or anywhere else in the corporation.
Portrait von Sven Fuhrmann

Sven Fuhrmann, Vice Chair of the Lüchow Works Council

We must continue to work to maintain our sense of community—just like in a marriage. That’s why we’re now planning a company outing with everyone to Bad Sobernheim, Bockenau, and Grolsheim, so we can exchange ideas and get to know each other even better. Because if you don’t know each other, you fall back into selfishness.
Christoph Wiederholt, Betriebsratsvorsitzender MusashiLeinefelde, IG Metall-Vertrauensmann, Mitglied der zentralenTarifkommission bei Musashi

Christoph Wiederholt, Works Council Chair, Leinefelde

The solidarity that prevailed among the sites, the shared struggle—you can’t put that into words; you simply had to be there. It was amazing. Leinefelde was actually left out of the employer’s threats, since we had already made concessions in 2019. But then we decided: if the employers want something from us, we have to make sure that the weakest plant, Leinefelde, is brought up to the same level.
Betriebsratsvorsitzender Musashi Lüchow, IG Metall-Vertrauensmann, KBR, Aufsichtsrat, zentrale Tarifkommission bei Musashi

Torsten Melzian, Works Council Chair, Lüchow

Our unionization rate has risen from 67 percent to 90 percent IG Metall members. Naturally, this meant expectations for us and for IG Metall were very high. But everyone agreed: there’s a red line. We won’t pay for management’s mistakes of recent years with our pay.
 Karl Koch, Betriebsratsvorsitzender von Musashi Hannoversch Münden, IG Metall-Vertrauensmann, zentrale Tarifkommission Musashi.

Karl Koch, Works Council Chair at Musashi Hannoversch Münden

We have to get the plant back on track and make it so that customers want to come back to Musashi. That’s the first step we need to take: moving toward green energy. That makes us attractive to new customers. Plus, steel parts are needed everywhere—not just in the automotive industry, but also in wind turbines and e-bikes, for example.
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