Wenn es gut läuft, dann zum Beispiel so: Bei der Deutschen Bahn unterstützen Algorithmen die Disponenten. Sie müssen Zugfahrten überwachen und bei Unregelmäßigkeiten schnell reagieren. Ziel des Algorithmus-Einsatzes ist eine effizientere Steuerung und die Entlastung der Disponenten.
Die Bahn hat des System selbst entwickelt und eingeführt – unter Beteiligung der Disponenten und mit Einbindung des Betriebsrats. Ergebnis: Weniger Stress und eine höhere Zufriedenheit der Disponenten. Und: weniger Verspätungsminuten.
Es kann aber auch schlecht laufen, zum Beispiel so: In den US-Verteilzentren von Amazon unterliegen die Beschäftigten einer strikten Kontrolle durch digitale Technik. Ihre Handscanner geben Aufgaben und Takte vor. Wer zu langsam arbeitet, erhält Verwarnungen. Nach sechs Verwarnungen droht die Kündigung – wegen zu niedriger Produktivität.
Durchs Raster gefallen
Risiken zeigen sich auch im Personalbereich: Dort wird mit Hilfe von Algorithmen nach Talenten gesucht. Problem: Die Algorithmen lernen aus den Daten der Vergangenheit.
Wenn also das Unternehmen XY in der Vergangenheit vor allem ledige junge Männer aus Süddeutschland eingestellt hat, dann könnte der Algorithmus entscheiden, dass diese Personengruppe auch in Zukunft am besten für den Job geeignet ist. Alle, die nicht in dieses Muster passen, würden bei der Bewerbung benachteiligt.
Die Erfahrungen in internationalen Konzernen zeigen, dass die Gestaltungsmöglichkeiten von Betriebsräten begrenzt sind, wenn die digitalen Systeme nicht im eigenen Unternehmen entwickelt bzw. weltweit ausgerollt werden.
IG Metall beim Digitalgipfel
Beim Digitalgipfel der Bundesregierung am 08./09. Dezember in Berlin ging es u.a. um Daten und Gute Arbeit. Die IG Metall war dort mit dem Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann vertreten. Er machte klar: Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) können Menschen von „stupiden Tätigkeiten“ entlasten. Aber: Ihre Einführung und Anwendung sollte der Mitbestimmung unterliegen. Beschäftigte müssen beteiligt werden, wenn „algorithmisches Management“ zu guter Arbeit führen soll.
Jörg Hofmann mahnte außerdem ein „europäisches Ökosystem“ für KI-Systeme an. Wenn die Daten nur bei außereuropäischen Konzernen lägen, dann werde das Thema „immer mit Misstrauen verbunden sein“.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte auf dem Digitalgipfel: Betriebsräte sollten die Möglichkeit haben, externen Sachverstand einzuholen, wenn KI im Betrieb eingeführt wird.
Für Betriebsräte wird das Thema „Management mit Algorithmen“ weiter an Bedeutung gewinnen. Es gilt, die Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und Beschäftigte im Blick zu behalten.
Am Ende sind die Beschäftigten die Betroffenen. Sie müssen deshalb frühzeitig eingebunden werden, wenn Künstliche Intelligenz im Betrieb Einzug hält.