Bei den Präsidentschaftswahlen 2026 setzte sich Lula da Silva in der Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro durch. Die Wahl wurde weit über Brasilien hinaus als Richtungsentscheidung über den künftigen sozial- und wirtschaftspolitischen Kurs des Landes wahrgenommen. Im Wahlkampf standen sich zwei grundlegend unterschiedliche politische Konzepte gegenüber: Lula warb für die Fortsetzung einer Politik der sozialen Gerechtigkeit, des Ausbaus öffentlicher Investitionen und der Förderung von Beschäftigung. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro vertrat dagegen einen konservativen und marktorientierten Kurs. Entgegen vielen Prognosen gewann Lula die Stichwahl am 25. Oktober 2026 deutlich. Sein Stimmenanteil stieg von 45,2 Prozent im ersten Wahlgang auf 51,8 Prozent in der entscheidenden Runde.
Ausschlaggebend für den Erfolg war unter anderem die Mobilisierung von Millionen Menschen, die sich im ersten Wahlgang nicht an der Wahl beteiligt hatten. Dank einer beeindruckenden Aufholjagd in der Stichwahl gelang es Lula, rund zehn Millionen zusätzliche Stimmen zu gewinnen.
Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Verabschiedung der Arbeitszeitverkürzung von 44 auf 40 Wochenstunden sowie die Einführung der Fünf-Tage-Woche. Das Gesetz wurde zwischen den beiden Wahlgängen vom Kongress beschlossen und von vielen Beschäftigten als Erfolg der von Lula und der Arbeiterpartei vertretenen sozialen Reformpolitik wahrgenommen.
Für die Gewerkschaftsbewegung in Brasilien und weltweit besitzt Lulas Wahlsieg eine besondere Bedeutung. Lula wurde als Metallarbeiter und Gewerkschaftsführer zu einer der prägenden Figuren des demokratischen Aufbruchs in Brasilien. Bis heute gilt er als Symbol dafür, dass Beschäftigte und ihre Organisationen politische Mehrheiten für soziale Reformen erringen können. Sein Erfolg wird deshalb von vielen Gewerkschaften weltweit als Signal verstanden, dass sozialer Fortschritt, Arbeitnehmerrechte und Demokratie auch unter schwierigen politischen Bedingungen verteidigt und ausgebaut werden können.
Bekämpfung von Hunger und Armut
Gleichzeitig steht die neue Regierung vor großen Herausforderungen. Im Parlament verfügt Lula nicht über eine eigene Mehrheit, während das Bolsonaro-Lager weiterhin über erheblichen politischen Einfluss verfügt. Die brasilianischen Gewerkschaften wissen daher, dass zentrale Reformvorhaben auf Widerstand stoßen werden und die Mobilisierung der Bevölkerung auch in Zukunft entscheidend bleibt. Hinzu kommt die Frage der politischen Nachfolge: Das politische Projekt Lulas wird nur dann dauerhaft Bestand haben, wenn es gelingt, eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten aufzubauen. Der heute 81-jährige Präsident kann nicht auf Dauer die zentrale Integrationsfigur des progressiven Lagers bleiben.
Lula steht für ein politisches Programm, das soziale, wirtschaftliche und ökologische Ziele miteinander verbindet:
- Bekämpfung von Hunger und Armut
- Förderung von Wirtschaftswachstum und guter Beschäftigung
- Stärkung von Arbeitnehmerrechten und sozialer Teilhabe
- Schutz des Amazonas und der biologischen Vielfalt
- Förderung einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft
- Dialog zwischen politischen und gesellschaftlichen Akteuren zur Stärkung der Demokratie
- Konsequenter Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und soziale Ausgrenzung
Für viele Gewerkschaften auf der ganzen Welt verkörpert Lula die Hoffnung, dass wirtschaftliche Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen, sondern gemeinsam vorangebracht werden können.