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Aktiv in Betrieb und Gesellschaft Migrationspolitische Tagung: Betriebsräte kämpfen für Teilhabe

Bei der zweiten migrationspolitischen Betriebsrätetagung der IG Metall wird klar: Die IG Metall nimmt wachsenden Rassismus gegenüber migrantischen Kolleginnen und Kollegen keinesfalls hin. Doch wie lassen sich Zusammenhalt und Solidarität stärken? Die Tagung in Leipzig lieferte Antworten.

Aktive bei der migrationspolitischen Tagung der IG Metall 2026

23 September 2026 23 September 2026


Manchmal muss man sich klar machen, was eigentlich auf dem Spiel steht: Für Millionen Menschen in Deutschland, für Gewerkschaften – und ganz besonders für die IG Metall.

In keiner anderen politischen Organisation hierzulande gibt es wohl mehr Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Rund eine halbe Million IG Metall-Mitglieder haben einen Migrationshintergrund. Man kann die IG Metall mit gutem Grund eine Einwanderungsgewerkschaft nennen. Und das schon seit Jahrzehnten.

Dass die IG Metall für Gleichstellung und gegen Diskriminierung eintritt, ist offizieller Auftrag. In der Satzung heißt es: „Die IG Metall fördert aktiv die Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Betrieb und Gewerkschaft, unabhängig von ethnischer und sozialer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität.“

Doch die Rahmenbedingungen für diese Arbeit sind in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Politik und öffentliche Debatte in Deutschland sind nach rechts gerückt.

Viele IG Metall-Mitglieder mit Migrationsgeschichte sind alarmiert. Manche planen bereits eine Auswanderung aus Deutschland – dem Land, in dem die meisten von ihnen geboren wurden und oft auch schon ihre Eltern.

All dies war zu spüren bei der zweiten migrationspolitischen Tagung für Betriebsräte und Jugendvertretungen, die Mitte September in Leipzig stattgefunden hat. In intensiven Diskussionen brachten die rund 100 teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen große Sorge zum Ausdruck, teilweise auch Wut.

Rückendeckung gab es bei der Tagung von Christiane Benner. „Wir zeigen klare Kante: Unsere Werte sind unverhandelbar“, lautete die Botschaft der Ersten Vorsitzenden. Die IG Metall werde die Demokratie verteidigen.


Im Dialog mit den Beschäftigten

Wie wichtig das Thema Migration im Arbeitsleben ist, zeigten auch die Ansprache-Aktionen, die direkt vor der Tagung stattfanden. Teilnehmende fuhren zu mehreren Leipziger Betrieben und kamen ins Gespräch mit den Beschäftigten.

Das Besondere an diesen Aktionen: Die Ansprache läuft in den der jeweiligen Muttersprache der Kolleginnen und Kollegen – zum Beispiel Spanisch, Polnisch, Arabisch. Die Chance auf eine erfolgreiche Kommunikation ist so viel höher. In den Gesprächen ging es um die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, um die anstehenden Proteste für soziale Politik, um Rolle und Möglichkeiten der IG Metall und die gewerkschaftliche Organisation im Betrieb.

„Die Belegschaften in den Betrieben werden zunehmend internationaler und diverser“, so Michael Hecker, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig. „Für uns ist es wichtig, die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Landessprache zu erreichen und für Gewerkschaftsthemen zu begeistern. Der Betrieb ist der Ort an dem Integration tatsächlich stattfindet, dort lernen Menschen sich kennen, dort entstehen Vertrauen und Solidarität."


Klare Botschaft an die Bundesregierung

Bundespolitisch wurde es am zweiten Tag der Konferenz: Natalie Pawlik (SPD), die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, stellte sich der Diskussion.

Als Vertreterin der Bundesregierung wurde sie auch mit vielen Themen jenseits der Migrationspolitik konfrontiert. Im Fokus stand etwa die Sozialpolitik, zum Beispiel die angekündigten Rentenreformen.

Die Kolleginnen und Kollegen schilderten ihre Wahrnehmung der Reformpläne aus betrieblicher Sicht. Dabei wurde mehr Respekt gegenüber hart arbeitenden Menschen angemahnt. Dieser Respekt fehle bei Vorhaben wie der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren oder der weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters.

Von den Metallerinnen und Metallern bekam Pawlik eine klare Botschaft mit auf den Weg: Migration werde fast nur noch als Sicherheits- und Ordnungsfrage behandelt, was viel zu kurz greife. Fachkräftesicherung, gelingende Teilhabe und Humanität gehörten zusammen und dürften politisch nicht voneinander getrennt werden.

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