Tarifrunde Eisen und Stahl 2023/2024 Mehr Geld und Sicherheit in der Stahlindustrie

Verhandlungsergebnis auch in der saarländischen Stahlindustrie: 1500 Euro im April 2024, weitere 1500 Euro in Raten, 5,5 Prozent mehr Geld ab April 2025. Die Arbeitszeit kann zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Transformation auf bis zu 32 Stunden verkürzt werden, mit teilweisem Lohnausgleich.

Warnstreik bei Salzgitter Flachstahl am 8.12.2023

16. Dezember 2023 16. Dezember 2023 |
Aktualisiert am 27. Februar 2024 27. Februar 2024


Nach den Tarifabschlüssen in der nordwestdeutschen und ostdeutschen Stahlindustrie im Dezember hat die IG Metall am Montag nun auch in der saarländischen Stahlindustrie ein Verhandlungsergebnis erzielt, das im Wesentlichen den Pilotabschluss aus dem Nordwesten übernimmt.

Die Beschäftigten erhalten im April 2024 eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1500 Euro netto (Auszubildende 1000 Euro). Weitere 1500 Euro (Auszubildende 800 Euro) sind in Raten bis November 2024 auszubezahlen: Von Mai bis Oktober gibt es monatliche Zahlungen in Höhe von 215 Euro netto (Auszubildende jeweils 115 Euro), im November gibt es 210 Euro (Azubis 110 Euro). Teilzeitbeschäftigte erhalten die Inflationsausgleichsprämie jeweils anteilig.

Sollte die Inflationsausgleichsprämie oder Teile davon bereits im Betrieb ausgezahlt worden sein, dann wird der Betrag, der 3000 Euro brutto ausbezahlt. Die Betriebsparteien können durch freiwillige Betriebsvereinbarung auch andere Auszahlungszeitpunkte vereinbaren.

Ab 1. April 2025 steigen die Entgelte und Auszubildendenvergütung um 5,5 Prozent. Der Tarifvertrag läuft 22 Monate und ist erstmals zum 31. Dezember 2025 kündbar.


Arbeitszeitverkürzung mit bis zu 50 Prozent Lohnausgleich

Zum Thema Arbeitszeit wurde für einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung im Rahmen der Transformation vereinbart:

Kollektive Arbeitszeitverkürzung (im Betrieb): Bei Druck auf die Beschäftigung im Zuge der Transformation können die Betriebsparteien – ausgehend von der Regelarbeitszeit von 35 Stunden – die Arbeitszeit um drei Stunden absenken. Für eine solche kollektive Arbeitszeitverkürzung müssen sich die Betriebsparteien einig sein, dass sich das Unternehmen in der Transformation befindet und die Beschäftigung unter Druck steht. Die Tarifvertragsparteien (Arbeitgeberverband und IG Metall) müssen dies bestätigen.

Im Falle der kollektiven Absenkung der Arbeitszeit wird gestaffelt bis zu einer Stunde mehr vergütet:

34 Stunden: 34 Stunden und 30 Minuten bezahlt

33 Stunden: 33 Stunden und 45 Minuten bezahlt

32 Stunden: 33 Stunden bezahlt

Sollte aus Gründen der Transformation temporär ein Mehrbedarf nötig sein – etwa für einen Parallelbetrieb von alten und neuen Technologien oder für Qualifikation – kann die Arbeitszeit von den Betriebsparteien auch um bis zu drei Stunden erhöht werden. Für die jenseits von 35 Stunden geleistete Arbeit wird die jetzt schon geltende Mehrarbeitsvergütung bezahlt. Das heißt: Länger arbeiten geht, kann aber nicht einseitig vom Arbeitgeber angeordnet werden. Der Betriebsrat bestimmt mit. Und für die Mehrarbeit muss der Arbeitgeber auch mehr bezahlen: 25 Prozent Zuschlag je Überstunde.

Individuelle Arbeitszeitverkürzung (für einzelne Beschäftigte): Dem Wunsch der Beschäftigten auf Absenkung der individuellen Arbeitszeit auf 33,6 Stunden kann entsprochen werden, sofern dem betriebliche Interessen nicht entgegenstehen. Für ältere Beschäftigte gelten Sonderregeln. Wer mindestens 60 Jahre alt ist und in Schicht arbeitet, kann von Januar 2025 an auf 33,6 Stunden verkürzen, ohne dass dies der Arbeitgeber verhindern kann. Zudem gibt es für diese Personengruppe einen teilweisen Lohnausgleich. Diese Beschäftigten bekommen für 33,6 Stunden Wochenarbeitszeit 34,10 Stunden bezahlt. Die Altersgrenze sinkt in den beiden Folgejahren auf 59 Jahre und auf 58 Jahre. Im Jahre 2027 findet eine Bewertung der Regelung statt.

„Die Herausforderungen für die Stahlindustrie im Tarifgebiet der saarländischen Stahlindustrie sind enorm groß und die wirtschaftliche Lage ist in Teilen angespannt“, erklärte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte und Verhandlungsführer in der saarländischen Stahlindustrie. „Deshalb bin ich sehr froh, dass es gelungen ist, ein tragfähiges Tarifergebnis zu erzielen. Wir wollten keine Zeit verlieren und haben den Sack zugemacht.“


Nordwestdeutsche und ostdeutsche Stahlindustrie

In der nordwestdeutschen und in der ostdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall bereits im Dezember Tarifergebnisse erzielt, an denen sich nun auch die saarländische Stahlindustrie orientiert hat. In der saarländischen Stahlindustrie gelten eigene Tarifverträge mit einer um drei Monate nach hinten verschobenen Laufzeit.

Verhandlungsergebnis Eisen- und Stahlindustrie 2023

für die nordwestdeutsche und ostdeutsche Stahlindustrie (saarländische Stahlindustrie: drei Monate später)

Tarifergebnis Eisen und Stahl 2023 - Inflationsausgleichsprämie Januar 2024
Tarifergebnis Eisen und Stahl 2023 - Inflationsausgleichsprämie Februar bis November 2024
Tarifergebnis Eisen und Stahl 2023 - 5,5 Prozent mehr Geld ab Januar 2025
Tarifergebnis Eisen und Stahl 2023 - Kollektive Arbeitszeitverkürzung
Tarifergebnis Eisen und Stahl 2023 - Verkürzte Vollzeit
Beschäftigte stehen zu einem großen Herz zusammen
Mitglied werden
Werde Teil einer starken Gemeinschaft

Von Rechtsschutz in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten bis zu gerechten Löhnen und Gehältern – wir kümmern uns persönlich und zuverlässig um unsere Mitglieder.

Tarifrunde Eisen und Stahl
Warnstreik bei Salzgitter Flachstahl am 8.12.2023

Stahldemo vor Wirtschaftsministerium Stahlbeschäftigte machen Druck in Berlin

„Energiepreise runter! Industrie stärken! Kein Platz für Dumpingstahl!“ Diese Forderungen trugen über 1700 Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter nach Berlin. Welche Schritte die Politik nun gehen muss, verdeutlichten sie vor dem Brandenburger Tor und dem Bundeswirtschaftsministerium.

Unter dem Motto „Stahl hat Zukunft – bei uns!“ demonstrieren in Berlin rund 1700 Beschäftigte aus über 40 Stahlbetrieben für eine starke und zukunftsfähige Stahlindustrie. Nach einem Demonstrationszug vom Brandenburger Tor versammeln sich die Teilnehmenden zu einer Kundgebung vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Stahldemo vor Wirtschaftsministerium Stahlbeschäftigte machen Druck in Berlin

„Energiepreise runter! Industrie stärken! Kein Platz für Dumpingstahl!“ Diese Forderungen trugen über 1700 Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter nach Berlin. Welche Schritte die Politik nun gehen muss, verdeutlichten sie vor dem Brandenburger Tor und dem Bundeswirtschaftsministerium.

Saarstahl-Beschäftigte beim IG Metall-Aktionstag am 15. März 2025 in Frankfurt

Tarifrunde Eisen und Stahl 2025/26 | Saarland Stahl Saar: Mehr Geld für 14.000 Beschäftigte

IG Metall Mitte erzielt schnellen Tarifabschluss: Mehr Geld für 14.000 Beschäftigte in der saarländischen Stahlindustrie. Die Auszubildenden erhalten eine überproportionale Erhöhung.

Stahlarbeiter in einem Stahlwerk

So wenden wir den Stahlschock ab Darum braucht Deutschland seine Stahlindustrie

Der Industriestandort Deutschland wäre massiv gefährdet, sollte Stahl künftig nur noch importiert werden. An der Stahlindustrie hängen viele Milliarden Euro Wertschöpfung, rund vier Millionen Arbeitsplätze und die politische Stabilität des Landes. Deshalb kämpft die IG Metall für die Stahlindustrie.

.

Tarifrunde Eisen und Stahl 2025 | Ost & Nordwest Stahl: Mehr Geld und Beschäftigungssicherung

Nach der nordwestdeutschen nun auch in der ostdeutschen Stahlindustrie: 1,75 Prozent mehr Geld ab Januar 2026, 75 Euro mehr im Monat für Auszubildende. Laufzeit bis 31. Dezember 2026. Zudem wurden die Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, Übernahme der Azubis und zur Altersteilzeit verlängert.

Gasturbinenwerk, Siemens-Energy in Berlin

Petition fordert Investitionen und Standortsicherung Über 300.000 Unterschriften erhöhen Druck auf Regierung

Über 300.000 Metallerinnen und Metaller fordern die Bundesregierung auf, den Abbau der Industrie zu stoppen und mit gezielten Investitionen und angepassten Rahmenbedingungen Arbeitsplätze und den Standort zu sichern. Wie das geht, zeigt eine Petition der IG Metall.

Beschäftigte beim Aktionstag in Brüssel.

Europäische Industriepolitik Für eine starke europäische Industrie mit guten Arbeitsplätzen

Über 6000 Teilnehmende: Die IG Metall und viele weitere europäische Industriegewerkschaften machten am 5. Februar mit einem Aktionstag in Brüssel Druck auf die EU-Kommission. Diese muss mit einer europäischen Industriestrategie eine starke europäische Industrie mit guten Arbeitsplätzen sichern.

Beschäftigte demonstrieren für die Eigenständigkeit der Salzgitter AG.

Demo für die Eigenständigkeit Salzgitter AG: Beschäftigte kämpfen gegen Übernahme

Ein Konsortium will die wirtschaftliche Kontrolle beim Stahlkonzern Salzgitter übernehmen. Richtungsentscheidungen könnte das Konsortium dann allein treffen, die Mitbestimmung wäre ausgehebelt. Über 3000 Metallerinnen und Metaller verdeutlichen: „Hände weg von Salzgitter.“

Beschäftigte demonstrieren zum Stahlgipfel vor der Mercatorhalle in Duisburg.

Forderungen zum Stahlgipfel Stahl: So ziehen wir den Karren aus dem Dreck

Hohe Energiekosten und Überkapazitäten auf den globalen Märkten bedrohen die deutsche Stahlindustrie und die Transformation. Auf und vor dem Stahlgipfel kämpft die IG Metall mit Verbündeten für einen Industriestrompreis, grüne Leitmärkte und einen fairen internationalen Wettbewerb.

Beschäftigte von Thyssenkrupp demonstrieren in Essen am 23. Mai 2024 gegen das Vorgehen der Geschäftsführung beim geplanten Teilverkauf des Unternehmens.

Managementversagen bei Thyssenkrupp Belegschaft entzieht CEO López das Vertrauen

Durch sein unverantwortliches Handeln gefährdet Miguel López die Zukunft der Stahlsparte und ihrer 27.000 Beschäftigten. Die IG Metall fordert den CEO auf, in den Dialog mit den Beschäftigten zu treten und Lösungen für den Stahl zu suchen. Eine Petition fordert Lopéz sogar zum Rücktritt auf.

Stahl-Aktionstag am 19. Oktober im Saarland

Förderung kommt 2,6 Milliarden für grüne Stahlproduktion

Die grüne Stahlproduktion kann im Saarland beginnen. Nach langem Kampf der Metallerinnen und Metaller kam der Bundeswirtschaftsminister mit guten Nachrichten nach Völklingen: Der Förderantrag für den Umbau der saarländischen Stahlindustrie wird kommen.

Tarifrunde Eisen und Stahl 2022: Warnstreik bei Thyssenkrupp Steel Dortmund

Tarifrunde Eisen und Stahl 2023 Warnstreiks in der Stahlindustrie ab 1. Dezember

Enttäuschende zweite Tarifverhandlung Stahl: Die Arbeitgeber beharren auf ihrem ersten Angebot: 3,1 Prozent für 15 Monate. Zudem wollen sie erst am 11. Dezember weiterverhandeln. Die IG Metall erhöht den Druck. Die Tarifkommissionen haben nun beschlossen: Warnstreiks ab dem 1. Dezember.

Neu auf igmetall.de

Newsletter bestellen