• Die Automobilindustrie ist international verflochten und braucht offene Märkte. Aber wenn die USA knallharten Protektionismus über Zölle und China Staatskapitalismus über massive Subventionen und den Export von Überkapazitäten praktizieren, dann gibt es keinen fairen Wettbewerb. Auch die EU muss sich in den neuen Handelskonflikten also um die Stärkung der eigenen Industriestandorte kümmern. Das heißt vor allem, zu investieren, den eigenen Binnenmarkt zu stärken und die eigene Wertschöpfung resilient aufzustellen. Wir brauchen aber auch mehr zielgerichteten Handelsschutz für ein „Level Playing Field“.
• Ein Beispiel: Die Europäische Kommission hat Wettbewerbsverzerrungen im Be reich batterieelektrischer Fahrzeuge umfassend untersucht und darauf aufbauend Ausgleichszölle beschlossen. Die IG Metall begrüßt dieses Vorgehen. Die Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen und stärken zugleich Investitionen und Beschäftigung in Europa. Aber: Wir brauchen dringend Zölle auf chinesische Plug-In-Hybridfahrzeuge, denn als Reaktion auf die BEV Zölle verlagert China seine Exporte auf Plug-in-Hybride. Deren Anteil ist von 3% in 2024 auf mittlerweile 18% im 1. Quartal 2026 angestiegen. Das erzeugt massiven Druck auf die Verkaufszahlen in Deutschland hergestellter Hybridautos, denn die Preisunter schiede zwischen chinesischen und deutschen Hybridfahrzeugen sind enorm. Das hat nicht der Markt geregelt, sondern die Subventionspolitik in China. Darauf muss die EU reagieren.
• Die IG Metall spricht sich seit langem für eine europäische Local-Content Strategie aus. Wer in Europa Produkte verkauft sollte auch einen großen Teil davon in Europa produzieren. Das muss umfassend gefördert und angereizt werden und es sollte auch für Fahrzeuge gelten. Die EU-Kommission hat zu Beginn des Jahres Vorschläge für „Made in EU“ Kriterien im Automobilbereich gemacht. Das ist ein Riesenschritt in die richtige Richtung. Dabei sollen öffentliche Beschaffung und öffentliche Förderung an das „Made in EU“-Kriterium gebunden werden. Auch bei Quoten für Firmenflotten oder elektrischen Kleinwagen sollen künftig nur „Made in EU“-Autos anerkannt werden.
• Durch eine 70%-Vorgabe bei allen Komponenten kann auch die Zulieferindustrie von der Regelung profitieren. Zusätzlich setzen perspektivisch aufwachsende European-Content-Quoten bei Batterie und Elektronik Anreize für neue Wertschöpfung in der EU und für Resilienz in der Lieferkette. Die IG Metall unterstützt diesen Ansatz und fordert die Bundesregierung auf, sich nicht weiter dagegen zu positionieren. Wir brauchen starke „Made in EU“-Kriterien ohne Schlupflöcher bei der Elektrifizierung von Unternehmensflotten, elektrischen Kleinwagen, Beschaffung und Fördermaßnahmen.
• Leider wird der Effekt des Ansatzes durch viele Schlupflöcher geschwächt. So fallen etwa nur neue oder geänderte Fördermaßnahmen unter die Vorgaben. Schon bei 25% Kostendifferenz können die Kriterien für die Beschaffung ignoriert werden. Und: Der Kreis der berechtigten Staaten wird – nicht zuletzt auf Drängen der deutschen Bundesregierung – teilweise sehr weit ausgedehnt. Aus Sicht der IG Metall sollten nur die 27 Mitgliedsstaaten der EU, plus Großbritannien, Schweiz, Lichtenstein, Norwegen und Island („EFTA“) dazu zählen. Der Rest ist nicht „Made in EU“.
• Auch die EU-Vorschläge zu Regeln für ausländische Investitionen starker Marktakteure (etwa aus China) im Fahrzeug- und Batterie-bereich weisen mit Vorgaben zu europäischer Beschäftigung und zum Know-How-Transfer in die richtige Richtung. So können negative Beispielfälle, wie die Ansiedlung von BYD in Ungarn verhindert werden, wo ausschließlich importierte Komponenten von ausländischen Belegschaften montiert werden und keine echte europäische Wertschöpfung oder Beschäftigung geschaffen wird.
• Eine große Bedrohung für den Welthandel geht heute leider von den USA aus. Die irre und wirre Zollpolitik des US-Präsidenten bedroht Wohlstand und Beschäftigung rund um die Welt. Europa muss gemeinsame Antworten finden und eine Eskalation des Handelsstreites vermeiden. In schwierigen Zeiten für die deutsche Automobilindustrie und die Beschäftigten sind diese Entwicklungen Öl in das Feuer der Unsicherheit. Am Ende gehen die geplanten Zölle zulasten der Beschäftigten in der Automobilbranche und der Verbraucher*innen in den USA.