Finanzinvestoren Die Münchner A+A-Finanzinvestoren schlagen wieder zu

Die Finanzinvestoren Aequita und Accursia kaufen Metall-Betriebe auf und saugen sie aus, Jetzt auch AIOS (Dachhimmel für Mercedes) in Überherrn (Saarland) und die Eisengießerei in Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern). Die Beschäftigten wehren sich. Bei AIOS steht nun die Urabstimmung über Streik an.

Unternehmer klauen als Panzerknacker verkleidet Geldsäcke aus dem Betrieb<br/>bei AIOS Überherrn/Saarland.<br/>Am 21. September werden die Beschäftigten der Automobilindustrie ein deutliches Zeichen setzen – bundesweit bei unzähligen betrieblichen Aktionen, bei unzähligen Zulieferbetrieben und Herstellern. Nicht länger werden sie sich zu Sündenböcken machen lassen für eine Krise, die sie nicht verursacht haben. Nicht länger werden sie die Zeche für Managementfehler und die Folgen geopolitischer Konflikte zahlen. Damit ist jetzt Schluss! Die Beschäftigten sagen: Jetzt reicht’s!

6. Mai 2026 6. Mai 2026 |
Aktualisiert am 15. Oktober 2026 15. Oktober 2026


Das ist keine kleine Nummer mehr: Der Münchner Finanzinvestor Aequita (10 Milliarden Euro Jahresumsatz) expandiert kräftig - und übernimmt jetzt auch die Automotive-Sparte von Rheinmetall, im Wesentlichen die Autozulieferer Kolbenschmidt und Pierburg, mit weltweit 7000 Beschäftigten. IG Metall und Betriebsräte haben eine Vereinbarung mit Aequita durchgesetzt, die drei Jahre lang Standorte, Arbeitsplätze und Tarifverträge absichert.

Es gibt bereits eine ganze Reihe anderer, negativer Beispiele, wo der milliardenschwere Finanzinvestor Kapital aus Unternehmen heraussaugt, Personal abbaut und Werke schließt.
 

Eisengießerei Ueckermünde: Aus nach nur einem Jahr

Die Eisengießerei in Ueckermünde / Mecklenburg-Vorpommern (Gussteile für Bremsen) wurde erst letztes Jahr von Aequita als Breyden Eisengießerei übernommen. Am 2. Oktober verkündet die Geschäftsführung das Aus für die Gießerei mit 283 Beschäftigten zum 31. Dezember. Als Begründung für die Stilllegung nennt das Unternehmen eine rückläufige Marktentwicklung und eine unzureichende Auslastung, was angeblich vor einem Jahr noch nicht absehbar war.

Betriebsrat und IG Metall werden völlig überrascht. „Besonders irritierend ist, dass der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern erst wenige Wochen zuvor da war und mit der Geschäftsführung gesprochen hat, ohne dass ein Wort zur unmittelbar bevorstehenden Schließung fiel“, kritisiert Frank Prenzlau, Erster Bevollmächtiger der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg. IG Metall und Betriebsrat verlangen Transparenz, die Prüfung von Alternativen und den Erhalt der Arbeitsplätze.

Der Fall in Ueckermünde erinnert an die ehemalige Breyden Gießerei (ehemals Bosch, ehemals Buderus) im hessischen Lollar, die ebenfalls Gussteile für Bremsen fertigte. Aequita übernahm Lollar 2024 von Bosch. Trotz einer zunächst in Aussicht gestellten Standortgarantie bis Ende 2026 wurde Lollar zum Jahresende 2025 geschlossen. Nach Protesten und Verhandlungen erkämpften IG Metall und Betriebsrat Abfindungen von bis zu 115 000 Euro sowie eine zwölfmonatige Transfergesellschaft.

Der Widerstand läuft jetzt an. Landespolitik und Stadtrat haben sich hinter die Beschäftigten gestellt und kritisieren Aequita scharf.

  

AIOS: „Wir lassen uns sich nicht leersaugen“ – jetzt Urabstimmung

Die 220 Beschäftigten von AIOS im saarländischen Überherrn und Maichingen bei Sindelfingen fertigen Dachhimmel für die Mercedes S-Klasse und die Mercedes-Luxusmarke Maybach. Ganz früher war das einfach Textilstoff – heute sind Premium-Overheads voll mit Elektronik. Sie sind es gewöhnt, dass ihr Eigentümer, Management und Firmenname alle zwei Jahre wechseln.

Doch nun wurden sie im Februar vom Finanzinvestor Accursia Capital aus München übernommen. Erfahren haben sie das erst im März. Bereits im Mai droht das Management mit Insolvenz. Wie die Lage wirklich ist, wissen Betriebsrat und IG Metall nicht. Die Geschäftsführung legt keinerlei Zahlen offen und kommt auch nicht zu Betriebsversammlungen.

„Wir wissen nicht, was die bei uns vorhaben“, kritisiert die Betriebsratsvorsitzende Gisela Tiefensee-Naaber. „Die Geschäftsführung produziert nur noch Chaos. Immer mehr Berater laufen durch unsere Fabrik und geben auch noch Anweisungen, ohne dass jemand weiß, wer das ist.“

Betriebsrat von AIOS und die IG Metall Völklingen haben einen Verdacht: Accursia will vor allem Geld raussaugen, eventuell Gebäude, Grundstück und Maschinen verhökern – und zudem ausnutzen, dass Mercedes so schnell keinen neuen Zulieferer aus dem Hut zaubern kann. Nach Informationen der IG Metall hat AIOS bereits einen Verlustausgleich von Mercedes eingefordert.

Ob sie nächsten Monat noch Geld bekommen, wissen sie nicht. Die Beschäftigten wehren sich. Sie lassen sich nicht leersaugen. Die betriebliche Tarifkommission fordert einen Sozialtarifvertrag mit Zusatzabfindungen, einer Transfergesellschaft und einer Insolvenzsicherung.

Nach Aktionen (Foto oben: Die Beschäftigten verhindern ihre Ausplünderung), zwei Warnstreiks und einer fünftägigen Betriebsversammlung – die Beschäftigten warteten auf den Geschäftsführer, der trotz täglicher Einladungen nie kam – erhöhen sie nun den Druck auf den Finanzinvestor. Der Vorstand der IG Metall hat jetzt den Antrag der betrieblichen Tarifkommission auf Urabstimmung genehmigt. Die Vorbereitungen laufen. Dann stimmen die Beschäftigten ab über einen unbefristeten Streik.


Beschäftigte von Opti in Rhauderfehn demonstrieren für den Erhalt ihres Standorts

Die Beschäftigten von Opti in Rhauderfehn kämpften zweieinhalb Jahre um Standort und Arbeitsplätze. 

 

Finanzinvestoren spezialisiert auf „Restrukturierungsfälle“

Aequita beschreibt sich als Beteiligungsgruppe, die mittelständische Unternehmen begleitet, mit Fokus auf Transformation und Corporate Carve-outs in „Spezialsituationen“ mit 65 Beteiligungsstandorten, 15 000 Beschäftigten und 10 Milliarden Euro Jahresumsatz. Accursia Capital bezeichnet sich al „Industrieholding, die sich auf komplexe Carve-Outs, Turnarounds und Nachfolgeregelungen im Mittelstand fokussiert“.

Beide kommen auch mal im Tandem: Der Industrie-Reißverschlusshersteller Opti in Rhauderfehn / Niedersachsen wird Ende 2023 über Nacht von Aequita übernommen. Bereits nach wenigen Wochen kommt die erste Personalabbauwelle. Zweieinhalb Jahre lang kämpfen Beschäftigte und Betriebsrat gemeinsam mit der IG Metall Leer-Papenburg gegen Entlassungen und den Abzug von Maschinen, für ihren Standort und Abfindungen, für die der milliardenschwere Finanzinvestor angeblich kein Geld hat. Dafür saugt er Geld aus Opti heraus, auch für überteuerte Manager und IT-Dienstleistungen. Mitte 2025 erfahren die Opti-Beschäftigten dann, dass Aequita Opti wieder mal über Nacht an Accursia verkauft und in YourZip umbenannt hat. Einer der drei Standorte (in Italien) ist bereits geschlossen.

 

Beschäftigte halten dagegen

Doch Beschäftigte und IG Metall halten dagegen und erzielen auch Erfolge, etwa bei beim Wälzlagerhersteller Durrkopp in Halle / Westfalen: Schon wenige Monate nach dem Kauf durch Aequita sollen Ende letzten Jahres 250 von 550 Beschäftigten gekündigt werden. Auch hier droht das Management mit Insolvenz. Doch sie lassen sich nicht einschüchtern, drücken den Abbau auf 176, erreichen Abfindungen von bis zu 115.000 Euro und eine Transfergesellschaft. Durkopp bleibt tarifgebunden - und es fließen bereits erste Investitionen.

Bei der Salzgitter Maschinenbau AG baut Aequita zwei Jahre nach dem Verkauf zwar im Maschinenbau ab, insgesamt jedoch sogar Arbeitsplätze auf – was jedoch dem Boom in der Rüstungsindustrie geschuldet ist, für die die SMAG Antennen baut.

Auch bei Rheinmetall Automotive wollen Betriebsräte und IG Metall Aequita genau auf die Finger schauen – und fordern eine Perspektive auch über die drei Jahre hinaus, erklärt Yvonne Möller, Verhandlungsführerin der IG Metall. „Wir erwarten Investitionen und Innovationen zur langfristigen Beschäftigungssicherung, unter voller Achtung der Mitbestimmung.“

Doch bei der Breyden Eisengießerei in Ueckermünde geht es jetzt um die Existenz. Hier organisiert die IG Metall Stralsund-Neubrandenburg nun Solidarität und den Kampf um den Standort – unter dem Motto „Breyden muss bleiben“. Die Empörung über die „Heuschrecken-Mentalität“ von Aequita in Politik und Öffentlichkeit wächst.

Beim Mercedes-Zulieferer AIOS läuft der Widerstand bereits. Fast alle Beschäftigten hier, darunter viele Frauen, die bereits seit Jahrzehnten hier arbeiten, sind in der IG Metall. Die Vorbereitungen für die Urabstimmung über Streik laufen.

„Mit dem ernsthaften Willen, eine Einigung zu erzielen, hätte die Geschäftsführung einen Arbeitskampf am Verhandlungstisch vermeiden können“, kritisiert Uwe Zabel, Verhandlungsführer der IG Metall Mitte. „Doch durch die Blockade und Provokationen der Geschäftsführung sind wir dazu gezwungen zu kämpfen.“

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