Stuttgart. Steigende Lebenshaltungs- und Energiekosten sowie Sorgen um den Sozialstaat, die Sicherheit der Arbeitsplätze und die Zukunft der Betriebe: Diese Themen bewegen die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg derzeit am stärksten. Das zeigt die Beschäftigtenbefragung der IG Metall zur Tarifrunde 2026, an der sich im Zeitraum zwischen Anfang Juni bis Ende August insgesamt mehr als 75.000 Beschäftigte aus knapp 530 Betrieben beteiligt haben.
Die Befragung zeigt: Die steigenden Lebenshaltungskosten sind für die Beschäftigten das mit Abstand wichtigste Thema. Fast drei Viertel der Befragten nennen sie als ein Thema, das sie derzeit besonders bewegt (73,8 Prozent). Für jeweils mehr als die Hälfte sind außerdem die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes (59,3 Prozent), der Zustand des Sozialstaats (58,0 Prozent), die Zukunft des eigenen Betriebs (57,2 Prozent), eine sichere Rente und betriebliche Altersversorgung (55,1 Prozent) sowie die hohen Energiekosten (54,6 Prozent) von besonderer Bedeutung.
Barbara Resch, Bezirksleiterin und Verhandlungsführerin der IG Metall Baden-Württemberg, erklärt: „Die Beteiligung von mehr als 75.000 Beschäftigten ist ein starkes Signal und die Botschaft ist eindeutig: Entlastung bei den hohen Lebenshaltungskosten, Sicherheit für Arbeitsplätze und eine verlässliche Perspektive für die Betriebe. Das ist der Auftrag, mit dem wir in die weitere Diskussion über unsere Tarifforderung gehen. Die Befragung zeigt außerdem: Die Kolleginnen und Kollegen wollen diese Tarifrunde aktiv mitgestalten.“
Wirtschaftliche Lage in den Betrieben ist unterschiedlich
Die wirtschaftliche Situation in den Betrieben beurteilen die Befragten sehr unterschiedlich. Rund ein Drittel beschreibt die Lage als „geht so“ (34,8 Prozent), ein gutes Viertel als „gut“ (26,9 Prozent) und zehn Prozent als „sehr gut“. Gleichzeitig bewerten rund 23 Prozent die Situation als „schlecht“ und rund sechs Prozent als „sehr schlecht“.
Resch: „Die wirtschaftliche Lage ist nicht überall gleich. Das rechtfertigt aber keinen pauschalen Verzicht der Beschäftigten. Wo Unternehmen Gewinne machen, müssen die Beschäftigten daran beteiligt werden. Wo Betriebe unter Druck stehen, braucht es tragfähige Zukunftskonzepte und Investitionen statt kurzfristiger Abbaupläne. Beides gehört für uns zusammen: gute Einkommen und sichere industrielle Arbeitsplätze.“
Beschäftigte erwarten spürbare Entgelterhöhung
Bei der Frage nach einer angemessenen Entgeltforderung steht für 36 Prozent der Befragten der Ausgleich der gestiegenen Kosten im Vordergrund. 26 Prozent wollen vor allem, dass ihr Betrieb wirtschaftlich stabil gehalten wird. 22 Prozent sprechen sich für eine gerechtere Verteilung der Unternehmensgewinne aus. 15 Prozent möchten ihre Kaufkraft zusätzlich stärken.
Barbara Resch erklärt dazu: „Die Beschäftigten spüren die gestiegenen Kosten jeden Tag beim Einkauf, bei der Miete und bei den Energiekosten. Für sie geht es nicht um abstrakte Prozentwerte, sondern um die Frage, ob ihr Einkommen am Monatsende noch reicht. Deshalb brauchen wir eine spürbare tabellenwirksame Entgelterhöhung. Sie muss die gestiegenen Kosten ausgleichen und den Beschäftigten einen fairen Anteil an der Wertschöpfung sichern.“
Nächste Schritte zur Tarifforderung
Die Diskussion über die Tarifforderung wird in den kommenden Tagen fortgesetzt. Die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg beschließt die Forderung für die Tarifrunde 2026 am 22. September. Die erste Verhandlung findet am 7. Oktober in Ludwigsburg statt. Die Entgelttarifverträge laufen zum 31. Oktober 2026 aus. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026.