Wenn Beschäftigte für das gleiche Geld mehr arbeiten, sinkt der Bedarf an Personal. Längere Arbeitszeiten bedeuten daher oft: Arbeitsplatzabbau durch die Hintertür. Kürzere Arbeitszeiten jedoch können Arbeitsplätze sichern.
Aktuell wollen Arbeitgeber die Arbeitszeit verlängern, etwa von 35 auf 40 Stunden in der Woche, bei gleicher Bezahlung - wegen der Krise, sagen sie. Doch wenn in Betrieben, die nicht ausgelastet sind, die Beschäftigten auch noch länger arbeiten würden, dann würde ein großer Teil der Belegschaft überflüssig. Tatsächlich müssen bei zu wenig Arbeit die Arbeitszeiten verkürzt werden, damit alle genug Arbeit haben.
Nicht länger – sondern kürzer arbeiten sichert Arbeitsplätze. Die IG Metall beweist das in hunderten Betrieben, in denen die Arbeitszeit reduziert wurde, etwa nach den Tarifverträgen zur Beschäftigungssicherung, aber auch mit anderen tariflichen Instrumenten.
„Gleichzeitig Arbeitsplätze abzubauen und längere Arbeitszeiten zu fordern, ist ein absoluter Widerspruch", meint etwa der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden des Autozulieferers ZF. "An vielen ZF-Standorten wird die Arbeitszeit bereits reduziert und die Beschäftigten mussten verpflichtend freie Tage (T-ZUG) nehmen. Die aktuellen Herausforderungen lösen wir ja nicht, wenn plötzlich alle 40 Stunden arbeiten. Im Gegenteil. Wir mussten die Arbeitszeit senken – und haben damit im Prinzip Stunden statt Menschen abgebaut.“
Auch internationale Studien belegen, dass kürzer arbeiten Arbeitsplätze sichert. Die OECD kommt für 19 Länder in der Krise 2008/09 zu dem Ergebnis, dass Kurzarbeitsprogramme entscheidend Arbeitsplätze erhalten haben, besonders in Deutschland. Auch in der Corona-Pandemie wurden durch kürzere Arbeitszeiten laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Arbeitsplätze gesichert.