Rentenreform
Diese sieben Punkte sichern unsere Rente
Stärken statt kürzen: Eine gerechte Rentenreform ist möglich, auch wenn viele das Gegenteil behaupten. Das neue Konzept der DGB-Gewerkschaften zeigt, wie der Kurswechsel in der Rentenpolitik funktioniert – und der Lebensstandard im Alter für alle gesichert wird.
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28. Oktober 202628. Oktober 2026
Drehen wir die Sache doch einfach mal um: Reden wir nicht immer nur darüber, welche Leistungen wir mit einem möglichst niedrigen Rentenbeitrag in Zukunft noch bezahlen können. Reden wir stattdessen darüber, welche Rente nach einem langen Arbeitsleben angemessen ist.
Die DGB-Kommission soll ein Gegenpol sein zur offiziellen Rentenkommission der Bundesregierung. Über deren Vorschläge diskutiert Deutschland seit Monaten. In der Diskussion geht es aber fast nur um drohende Kürzungen: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren soll fallen, das Rentenalter weiter steigen, die Altersteilzeit eingeschränkt werden.
Für IG Metall und DGB ist klar: Kürzen und Streichen sind der falsche Weg. Die Rente muss zum Leben reichen, nicht nur zum Überleben. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss im Ruhestand in Würde leben können.
Eine andere Rentenpolitik ist möglich
Dieses Leistungsversprechen war der Ausgangspunkt für die DGB-Rentenkommission, in der die IG Metall mit der Ersten Vorsitzenden Christiane Benner vertreten ist.
Die Kommission hat nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Der Bericht zeigt: Eine andere Rentenpolitik ist möglich.
Der Maßstab dabei: Wer lange gearbeitet, Beiträge gezahlt, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, muss im Alter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dieser Anspruch muss auch bei Erwerbsminderung gelten.
Mit ihrem Konzept korrigieren die Gewerkschaften die Rentenpolitik der vergangenen 25 Jahre.
Seit der Rentenreform von 2001 hat sich die Politik vom Ziel der „Lebensstandardsicherung“ verabschiedet. Seitdem sollte der Lebensstandard im Alter nur noch zusammen mit privater und betrieblicher Vorsorge garantiert sein. Doch diese Idee hat nie funktioniert.
Gerade Menschen mit geringeren Einkommen hatten nie das Geld, um ausreichend privat vorzusorgen. Profitieren konnte dagegen die Versicherungswirtschaft, die viele Jahre lang überteuerte Verträge verkaufte. DGB und IG Metall sagen nun: Zeit für einen Kurswechsel.
„Statt der Finanzwirtschaft immer mehr unter die Arme zu greifen, muss die Bundesregierung die gesetzliche Rente stärken“, fordert IG Metall-Sozialvorstand Ralf Reinstädtler. „Reformen sind absolut notwendig, es geht uns um die Richtung der Veränderungen. Als IG Metall fordern wir eine solidarische Reformpolitik, die eine auskömmliche Rente für alle Generationen auf Dauer sicherstellt.“
Die Empfehlungen der DGB-Rentenkommission im Überblick:
1. Lebensstandard sichern – zwei Säulen tragen die Rente
Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt das Fundament. Ihr Niveau steigt zunächst auf50 Prozent und später auf 53 Prozent vor Steuern. Rentnerinnen und Rentner sollen also im Vergleich zu den Löhnen mindestens 50 Prozent erhalten (nach Abzug der Sozialbeiträge, vor Steuern). Ergänzt wird die gesetzliche Rente durch eine verpflichtende, tariflichgeregelte betrieblicheAltersversorgung (bAV). Insgesamt soll das Versorgungsniveau damit 70 bis90 Prozent erreichen.
2. Sorgearbeit gerechter bewerten
Rentenansprüche für Kindererziehung lassen sich bei gemeinsamer Sorgearbeit auf beideEltern aufteilen. Pflegearbeit wird auch während des Rentenbezugs vollständig anerkannt.
3. Solidarität stärken – Armut verhindern
Der Grundrentenzuschlag wird einfacher und ohne Einkommensanrechnung gewährt. ErberücksichtigtZeiten der Erwerbsminderung und wird durch einen allgemeinen Rentenfreibetragin der Grundsicherung ergänzt. Niedrige Rentenanwartschaften werden aufgebessert.
4. Finanzierung fair gestalten
Leicht erhöhte Rentenbeiträge und ein höherer Bundeszuschuss sichern das Rentenniveau. EinDemografie-Zuschusswird durch zusätzliche Steuern auf hohe Vermögen finanziert. Bundeszuschüssedürfen nicht zur Haushaltskonsolidierung gekürzt werden.
5. Versichertenbasis erweitern
Neue Selbstständige ohne Absicherung sowie Abgeordnete und freie Berufe (z.B. Anwälte, Ärzte) werden in die Rentenversicherungeinbezogen. Diese entwickelt sich schrittweise zu einer Erwerbstätigenversicherung. Fehlanreizegegen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und der Gender Pay Gap werdenbeseitigt.
6. Rentenansprüche erhalten und verbessern
Das Rentenalter bleibt unverändert. Wer 45 Versicherungsjahre erreicht, kann weiterhin vorzeitigund abschlagsfrei in Rente gehen. Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen erhaltenbessere Zugänge. Für krankheitsbedingte Teilzeit wird eine abschlagsfreie Teilrente eingeführt.
7. Reha und Teilhabe stärken
Prävention und Rehabilitation werden enger verzahnt. Die Erwerbsminderungsrenteerleichtert die Rückkehr in sozialversicherungspflichtige Arbeit. Der sogenannte Reha-Deckel entfällt.
Die Rente ist kein Geschenk
In den nächsten Monaten steht viel auf dem Spiel: Bundesregierung und Bundestag müssen entscheiden, wie es nach 2031 mit der Rente weitergehen soll. Dabei geht es nicht um simple Mathematik. Es geht um die gerechte Verteilung des Wohlstands, um gute Arbeit, gute Löhne und gute Renten.
„Die Rente ist kein Geschenk“, sagt IG Metall-Sozialvorstand Ralf Reinstädtler. „Wer sein Arbeitsleben lang Leistung erbracht hat, verdient Respekt und Planungssicherheit statt Rentenkürzungen."
Die DGB-Rentenkommission zeigt, wie wir die Debatte um die Alterssicherung umdrehen – und endlich die arbeitenden Menschen in den Fokus stellen.
Zum Weiterlesen:
Den ausführlichen Bericht der DGB-Rentenkommission gibt es hier.
Unsere Tarifverträge setzen Standards. Sie regeln Einkommen, Arbeitszeit, Urlaub und Zuschläge und das Recht auf Übernahme nach der Ausbildung. Wir setzen uns dafür ein, dass Beschäftigte am Erfolg ihrer Unternehmen beteiligt werden.
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