Stuttgart. Die MAHLE Geschäftsführung, der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall Baden-Württemberg haben sich auf einen Ergänzungstarifvertrag für die Standorte Stuttgart und Kornwestheim geeinigt. Die Vereinbarung ermöglicht es dem Unternehmen, das angekündigte Kostensenkungsprogramm in Verwaltung und Entwicklung umzusetzen und sich an die verschärften Marktbedingungen anzupassen. Zugleich werden betriebsbedingte Kündigungen für die kommenden Jahre ausgeschlossen und die Standorte erhalten mehr Planungssicherheit.
MAHLE und die IG Metall haben sich darauf verständigt, bis Ende September einen Zukunftstarifvertrag abzuschließen. Sollte dieser Zukunftstarifvertrag nicht zustande kommen endet der Ergänzungstarifvertrag.
Matthias Fuchs, Verhandlungsführer der IG Metall Baden-Württemberg, ordnet den Abschluss in den laufenden Transformationsprozess des Konzerns ein:
„Dieses Verhandlungsergebnis ist ein schmerzhafter, aber verantwortungsvoller Kompromiss. Die Kolleginnen und Kollegen leisten einen hohen Beitrag. Im Gegenzug verhindern wir betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 und gewinnen Zeit, um die Zukunft von MAHLE in Stuttgart und Kornwestheim aktiv zu gestalten. Ohne den Druck und die Geschlossenheit der IG Metall und der Betriebsräte, gäbe es diesen Kündigungsschutz und die verbindliche Verabredung zum Abschluss eines Zukunftstarifvertrags nicht.“
Boris Schwürz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von MAHLE, betont die Ambivalenz des Ergebnisses:
„Dieser Ergänzungstarifvertrag ist für die Kolleginnen und Kollegen ein harter Beitrag zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze. Die Einschnitte bei Entgelt, Weihnachts- und Urlaubsgeld spürt jede Familie deutlich. Gleichzeitig sichern wir damit mehrere Jahre ohne betriebsbedingte Kündigungen und gewinnen Luft, um tragfähige Zukunftskonzepte für Stuttgart und Kornwestheim zu entwickeln. Entscheidend ist, dass MAHLE diese Atempause jetzt konsequent nutzt: Wir erwarten Investitionen, Qualifizierung und neue Produkte an den Standorten, damit aus vorübergehenden Beiträgen der Belegschaft keine dauerhaften Verschlechterungen werden. Mehr war unter diesen Rahmenbedingungen nicht drin, aber wir haben dafür gesorgt, dass die Beschäftigten nicht schutzlos im Regen stehen.“
Kern des Tarifvertrags ist ein Paket von Mitarbeiterbeiträgen zur Kostensenkung bis Ende 2029. Für die Beschäftigten bedeutet dies spürbare Einschnitte, etwa eine verschobene Entgelterhöhung, die verpflichtende Umwandlung des T-ZUG 2026 in Freistellungstage sowie deutliche Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch außertariflich Beschäftigte leisten über Einbußen bei Entgeltanpassung und Bonuszahlungen einen gleichwertigen Beitrag.
Im Gegenzug erhalten die Beschäftigten einen weitreichenden Sonderkündigungsschutz: Ordentliche betriebsbedingte Kündigungen werden bis zum 31. Dezember 2029 nicht wirksam. Abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des MAHLE-Europageschäfts haben die Tarifvertragsparteien ein beidseitiges Sonderkündigungsrecht mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Beendigung des Tarifvertrags zum 31. Dezember 2028 vereinbart.