Pressemitteilung 06/2026
Stuttgart. Die IG Metall Baden-Württemberg legt auf ihrer Jahres-Pressekonferenz eine schonungslose Analyse der wirtschaftlichen Lage vor und richtet klare Forderungen an Politik und Unternehmen. Zwar konnten in vielen Betrieben 2025 wichtige Schritte zur Zukunftssicherung etabliert werden, doch insgesamt bleibt die Gesamtlage fragil: Investitionen bleiben aus, Standorte geraten ins Wanken, die globale Konjunktur schwächelt. Die Folgen für Betriebe und Beschäftigten sind vielerorts spürbar.
Bezirksleiterin Barbara Resch formuliert es deutlich: "Wir stehen vor einem entscheidenden Jahr für Baden-Württemberg. Unsere industrielle Basis ist stark, aber sie steht unter massivem Druck. Wenn wir unsere Innovationskraft erhalten und ausbauen wollen, brauchen wir jetzt endlich klare politische Entscheidungen, eine konsequentere Industriepolitik und echte Unterstützung für Betriebe und Beschäftigte. Absichtserklärungen abzugeben, reicht nicht mehr aus und sie helfen auch niemanden am Band, im Büro oder in der Werkshalle. Wir brauchen mehr politischen Mut und Unternehmen, die mehr als bisher Verantwortung für ihre Standorte in Deutschland übernehmen - und zwar jetzt!"
Rückblick 2025: Stabilität und Perspektiven unter schwierigen Bedingungen
Das Jahr 2025 war für die Industrie in Baden-Württemberg herausfordernd: Die Automobil- und Zulieferbranche steht unter enormem Druck – mit Sparprogrammen, Stellenabbau, Verlagerungsplänen und einer spürbar angespannten Lage in vielen Betrieben. Gleichzeitig ist es der IG Metall Baden-Württemberg gelungen, Stabilität und Perspektiven zu schaffen: durch einen neuen Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz, Zukunftssicherungen und Tarifabschlüsse mit spürbaren Reallohnsteigerungen in Branchen wie dem Kfz-Handwerk, den Technischen Gebäudeausstattern und dem Elektrohandwerk. Ein eindrucksvoller Aktionstag mit 25.000 Kolleginnen und Kollegen auf dem Stuttgarter Schlossplatz hat ein starkes Zeichen für sichere Arbeitsplätze und eine faire Transformation gesetzt.
Resch dazu: "2025 hat gezeigt, wie verletzlich unsere industrielle Wertschöpfung inzwischen ist. Gleichzeitig hat es gezeigt, was möglich ist, wenn Betriebe, Beschäftigte und Betriebsräte gemeinsam handeln und verantwortungsvoll Veränderungen voranbringen - zusammen mit ihrer IG Metall. Diese gemeinsame Stärke werden wir 2026 mehr denn je brauchen."
2026: Ein Schicksalsjahr für unsere Industrie
Betriebsratswahlen, Landtagswahl und eine Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. 2026 wird für die IG Metall Baden-Württemberg und die Beschäftigten entscheidend.
"2026 wird ein Jahr, das darüber entscheidet, ob Baden-Württemberg Industrieland bleibt oder ob wir ins Hintertreffen geraten,” so die Gewerkschaftschefin. „Wir stehen vor globalen Risiken, Handelskonflikten und Protektionismus, lähmender Bürokratie und fehlender Digitalisierung sowie vor betrieblichen Herausforderungen im Zuge der Transformation." Zugleich betont Resch die gesellschaftliche Dimension: Zukunft braucht Menschen und Menschen brauchen Zukunft - hier in Baden-Württemberg. "Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass es eine Zukunft für alle gibt. Und wir tun alles dafür, dass Baden-Württemberg ein starker Standort bleibt und wieder für Innovation und Entdeckergeist steht. Arbeitsplätze abzubauen ist nicht die Lösung, sondern verspielt die Zukunft", so Resch.
Dem verleiht auch die "Agenda für eine starke Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg für Innovation, Beschäftigung und Investitionen" Nachdruck, in der die IG Metall Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und Südwestmetall Ziele formulieren, um Innovationen, Beschäftigung und Weiterbildung sowie die Investitionskraft der Unternehmen zu stärken.
Starke Mitbestimmung in schwierigen Zeiten: Betriebsratswahlen als Gradmesser
Ab Anfang März finden in tausenden Betrieben des Landes die Betriebsratswahlen statt. Sie entscheiden darüber, wie gut Beschäftigte in den kommenden Jahren durch Transformation, Digitalisierung und strukturelle Veränderungen begleitet und unterstützt werden.
Resch betont die Bedeutung der Wahl: "Ein starker Betriebsrat ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Gerade in Zeiten von Wandel und Digitalisierung brauchen Beschäftigte Menschen an ihrer Seite, die mitdenken, mitreden und vor allem mitgestalten. Betriebsräte schaffen Verlässlichkeit, Schutz und Orientierung. Sie kämpfen für faire Arbeitsbedingungen, für Qualifizierung und für Beschäftigungssicherung. Deshalb rufen wir alle Beschäftigten auf: Nutzt euer Wahlrecht. Eure Stimme entscheidet über die Zukunft eurer Arbeitswelt."
Landtagswahl 2026: Industriepolitik muss endlich Chefsache werden
Die IG Metall Baden-Württemberg richtet klare Erwartungen an die kommende Landesregierung. Baden-Württemberg brauche eine moderne, entschlossene und langfristig ausgerichtete Industriepolitik.
Die Gewerkschaft fordert unter anderem:
- eine Industriepolitik mit strategischem Kompass
- Standortbedingungen verbessern und Investitionen ermöglichen
- Schlüsseltechnologien und Zukunftsmärkte/-produkte gezielt fördern
- Qualifizierung ermöglichen und Fachkräfte sichern
Resch mahnt: "Baden-Württemberg muss zum Taktgeber einer modernen Industriepolitik werden. Zu lange wurde gezögert. Es reicht jetzt. Wir erwarten von der nächsten Landesregierung eine Politik, die Beschäftigung sichert, Innnovation fördert und den Industriestandort Baden-Württemberg zukunftsfähig macht. Wir werden die neue Landesregierung daran messen."
Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie: Beschäftigte erwarten spürbare Verbesserungen
Im Herbst steht die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie an. Resch kündigt einen selbstbewussten Kurs an: "Die Beschäftigten leisten Herausragendes – und sie halten unser Land in schwierigen Zeiten am Laufen. Sie erwarten zurecht, dass wir für ihre Interessen einstehen. Wir gehen selbstbewusst in diese Tarifrunde, aber auch mit dem Anspruch, Lösungen zu finden, die Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen stärken."
"Es reicht!": Kundgebung am 28. Februar auf dem Stuttgarter Schlossplatz
Gemeinsam mit dem DGB und Verdi ruft die IG Metall Baden-Württemberg am 28. Februar 2026 zu einer großen Kundgebung auf dem Schlossplatz in Stuttgart auf. "Die Menschen in Baden-Württemberg haben genug von Ankündigungen ohne Wirkung. Unsere Botschaft ist klar: Es reicht! Wir brauchen Entscheidungen, die Betriebe und Kommunen stärken, die Arbeitsplätze sichern und Investitionen ermöglichen. Wer weiterhin zaudert, gefährdet die Zukunft unseres Landes. Es ist 5 vor 12, und das werden wir am 28. Februar lautstark klarmachen!"
Barbara Resch unterstreicht ihren Anspruch, die Zukunft des Industriestandorts gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten: "Transformation gelingt nur mit den Beschäftigten – nicht gegen sie. Baden-Württemberg hat alles, was es braucht: Wissen, Erfahrung, Innovationskraft. Jetzt braucht es Politik und Unternehmen, die diesen Schatz nicht verspielen. Unser Anspruch für 2026 und darüber hinaus: gute Arbeit, sichere Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien aus Baden-Württemberg."